Artikel 13 - es betrifft mich und euch alle

...die Folgen eines möglichen Artikel 13 an der Stelle zu beleuchten, was zu einem aus den etablierten Medien nicht hervorgeht, zum anderen die Auswirkungen nicht von allen erkannt wird, die es Treffen wird.

Sven

Kurzes Vorwort zu dem, warum ich hier in meinem Blog einen Statement zu Artikel 13 verfasse: Es geht mir nicht darum, mein eignes Tun und Handeln zu verteidigen. Mein Youtube-Kanal ist noch ganz am Anfang und nur eines meiner vielen Hobbies und Interessen. Sondern viel mehr mich als eines von vielen betroffenen Schicksalen quasi als Beispiel zu präsentieren, aber auch die Folgen eines möglichen Artikel 13 an der Stelle zu beleuchten, was zu einem aus den etablierten Medien nicht hervorgeht, zum anderen (so meine Befürchtung) die Auswirkungen nicht von allen erkannt wird, die es Treffen wird.

Was steht im Artikel 13 nach der EU-Gesetzgebung

Internetanbieter müssen sicherstellen, das alles was Hochgeladen wird durch ihre User, entweder lizenziert ist oder aber durch Erkennungstechnologien verhindert wird, falls nicht lizenziert. Letzteres umgangssprachlich auch als „Uploadfilter“ bezeichnet. Neu ist dabei aber auch, das die Anbieter mit in die Verantwortung genommen werden, also von vorne rein voll verantwortlich dafür sind, was ihre User zeigen.

Warum betrifft es mich

Ich habe in der Vergangenheit immer wieder erlebt, sei es in Gesprächen mit Arbeitskollegen oder beim Sport mit anderen Sportlern, dass wenn man etwas über seine Hobbies erzählt, gerne auch was zeigen wollte. Oder das Interesse vom gegenüber so groß war, das dann auch gefragt wurde, zeig doch mal was. Ich hatte in meinem Leben oft Phasen wo ich mal viel Musik gemacht habe (Techno, Electro, Hiphop) oder 3D-Modeling uva. und dann wieder lange nichts mehr. Und deswegen war es dann irgendwann meine Entscheidung, meine Hobbies zu Dokumentieren, um es für mich und die die es Interessiert erhalten zu können. Einerseits über meine Homepage bzw. Blog. Seit kurzer Zeit auch mit Youtube, wo mein momentanes Hobby „Retro“ von mir zu sehen ist. Einige weitere Kanäle sind in Planung. Interessanterweise hat das aber auch einen guten Effekt auf meine Freizeitbeschäftigung. Man kommt in Kontakt mit anderen Gleichgesinnten, es ist ein zusätzlicher Motivator, auch mal länger dran zu bleiben und es verwandelt einen immer mehr vom passivem Konsumenten zum aktiven Content-Creator. Damit meine ich, das zum Beispiel der Fernseher in unserem Haushalt kaum noch Bedeutung zugesprochen wird. Jetzt ist es aber auch so, das ich an Content vieles selber erstellen kann. So auch z.B. die Musik, dich ich extra für meine Videos selbst produziere. Andere Dinge können sich wiederum etwas schwieriger gestalten. Gerade wenn ich alte Hardware zeige oder aber auch Let’s Play Videos von irgendwelchen Klassikern erstelle, wie wird sich ein Uploadfilter in Zukunft verhalten, wenn dieser wesentlicher schärfer geschaltet werden muß, als es jetzt zur Zeit der Fall ist. Hier hat Julia Reda (Piratin) Beispiele aufgelistet, wie Problematisch dies jetzt schon funktioniert. Ein Zitat aus dem verlinkten Text: „Filter verstehen nicht genug über den Kontext eines Videos, um entscheiden zu können, ob es gelöscht werden soll.“ Wenn ich ehrlich bin, habe ich jetzt tatsächlich schon dran gedacht, ob es für mich Sinn macht weiter zu machen. Ich werde weiter machen, wenn auch mit einem unguten Gefühl: Was wäre, wenn dann der Filter auch bei mir zuschlagen sollte. Ist es dann für sein Hobbies wert, sich damit herum zu ärgern? Viel mehr aber stellt sich die Frage, was passiert, wenn Youtube die kleinen YouTuber fallen läßt? Ein Szenario was aus Sicht eines Unternehmens wie Youtube nachvollziehbar ist. Dazu komme ich aber gleich nochmal.

Ich bin aber nicht nur Content-Creator bzw. Kreativer, sondern ich schaue auch oft gerne Youtube Videos. So z.B. Tutorials zu 3D-Grafikprogrammen (Blender, Maya usw.). Oder informiere mich über diverse Produkte aus dem alltäglichen Leben. Erweitere mein Wissen über das Universum. Ein viel besseres Beispiel ist aber mein Musikgeschmack. Ohne Youtube hätte ich nie meine Musikrichtung gefunden: Hardstyle. Ein Großteil dieser Videos sind aber nicht von großen Unternehmer erstellt worden oder haben Abonnenten >1M. Wird es in Zukunft Videos von anderen kleinen YouTuber geben?

Warum betrifft es andere

Viele Musiker, gerade auch im deutschen HipHop, aber auch viele andere Richtungen, die nicht gerade Mainstream sind, gäbe es vermutlich nicht, wenn der Artikel 13 schon vor Jahren gegeben hätte. Aber wieso denke ich das? Es gab mal eine Zeit, da war es fast unmöglich, ohne Plattenvertrag mit seiner Musik bekannt zu werden. Das Label hat im wesentlichen nur Interesse daran, Geld zu verdienen. Das schließt mitunter Künstler aus, die entweder kein finanzielles Interesse verfolgen oder aber nur eine kleine Zielgruppe ansprechen. Oder aber vielleicht auch einfach nicht ein möglicher Trend erkannt wurde durch den Verlag. Ich kannte mal einen Produzenten, der auch an Labels weitervermittelte. Er hatte eine zeitlang mehr als 10 Demotapes pro Tag erhalten (glaub sogar noch viel mehr, weiss es aber nicht mehr genau). Da wurde im Losverfahren gearbeitet, der Großteil der Kassetten landete ungehört im Müll.

Viele Freelancer und kleine Unternehmen nutzen Video-Plattformen, um sich selber vermarkten zu können. Zum Beispiel mit Tutorials, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch, in dem sie Unterhaltung bieten. Ich denke dabei an die eine oder andere KFZ-Tuning Firma.

Und nicht zuletzt aber auch der Privatmensch, der über sein Hobby berichtet, seine Meinung über die Politik kund tut. Genau, seine Meinung vertritt, in einem Land, wo freie Meinungsäußerung ein Grundrecht ist.

Und alle diese Menschen werden in Zukunft einer Willkür ausgesetzt, wenn es gut läuft - einem Uploadfilter. Oder wenn es schlecht läuft, haben wir keinen Zugang mehr zu den Zuschauern auf den entscheidenden Plattformen. Meine Prognose fällt auf letzteres. Es ist ein enormes Risiko für die Plattformen, auf ein Uploadfilter zu setzen, der technisch unmöglich jede Musik, jedes Bild im Video, jedes Filmsequenz eindeutig identifizieren kann, wenn das Video entsprechend bearbeitet ist. Dann muss ggf. der Videoersteller auch noch nachweisen, das er doch ein Recht daran besitzt, z.B. durch ein Zitatrecht, aber wie soll das automatisiert funktionieren. Weiter kann eine Plattform nicht mit der ganzen Welt alle ihre Werke lizenzieren. Genauso ist es doch nicht für alles und jeden überprüfbar, ob tatsächlich das Werk, was jemand für sich beansprucht, auch ihm tatsächlich gehört.

Und dann ist da noch die Freiheit

Technisch wäre es möglich, ein Auto nie schneller fahren zu lassen, wie es erlaubt ist. Also in einer 30er Zone wird der Wagen nicht schneller als 30km/h fahren können. An der roten Ampel könnte kein Gas gegeben werden usw. Aber das wäre eine Gängelung. Freiheit bedeutet auch, etwas unerlaubtes machen zu können, natürlich mit all den Konsequenzen, die zu verantworten sind. Genau diese Entscheidungsmöglichkeit macht uns zu freien Menschen. Mündige Bürger kann es nicht geben, wenn alles vorgegeben wird und jede nur denkbar vermutete Verfehlung schon im Vorfeld verhindert wird. Wollen wir in so einer Welt leben?


Mehr Informationen im Detail zum Artikel 13 findet Ihr unter folgenden Links: